BJV Kreisgruppe Hammelburg
BJV KREISGRUPPE HAMMELBURG
 Jahreshauptversammlung der Hammelburger Jäger in Sulzthal:

Möglicher Nationalpark-Rhön, Glorifizierung von Prädatoren und andere Stolpersteine für die
Jagd?
80 Mitglieder konnte der Vorsitzende Daniel Lohfink bei der Jahreshauptversammlung der
BJV-Kreisgruppe Hammelburg in Sulzthal begrüßen. Die Abwicklung der üblichen
Regularien erfolgte reibungslos, so dass nach dem Bericht des Kassenprüfers die Entlastung
der Vorstandschaft sehr schnell und ohne Gegenstimme über die Bühne gehen konnte.
Für die vier im abgelaufenen Jahr verstorben Mitglieder erfolgte ein kurzes Totengedenken,
bevor Daniel Lohfink den Jubilaren ihre Urkunden für jahrzehntelange Treue überreichte. Für
langjährige Mitgliedschaft wurden geehrt die Herren: (25 Jahre) Leander Zwerenz-Weiß,
Herbert Keller und Albrecht Schmitt; (40 Jahre) Dieter Armbruster, und Wolfgang Kuhlmann;
(50 Jahre) Helmuth Sell und Heribert Sell; (60 Jahre) Werner Heinlein, Dieter Hesselbach,
Johann Marek und Martin Rainhold sowie (65 Jahre) Walter Bayer und Nöth Markus.
Den Abschluss dieses Tagesordnungspunktes stellte die Ernennung von Georg
Stürzenberger zum Ehrenvorsitzenden dar. Er hat sich, so der Laudator, Jahrzehnte lang auf
verschiedenen Positionen in der Kreisgruppe um die Jagd und den Naturschutz verdient
gemacht und war einer der Väter der Grünbrücke, die nördlich von Oberthulba über die
Autobahn führt. In seinem kurzen Dankeswort beklagte Stürzenberger die Widrigkeiten,
denen die Jagd immer mehr ausgesetzt ist und den zunehmenden Verfall jagdlicher Sitten
und Traditionen. Enno Piening, Bezirksvorsitzender und Vizepräsident des BJV, unterstrich
die Laudatio aus Sicht des Landesjagdverbandes und betonte, dass Stürzenberger auch aus
Münchner Sicht immer ein anerkannter und verlässlicher Mitstreiter für die Belange der Jagd
gewesen sei.
Da Sandro Kirchner, MdL, wegen eines anderen Termins kurzfristig verhindert war, über
aktuelle Entwicklungen bei die Jagd betreffenden Gesetzen oder Vorschriften und die
Nationalpark-Rhön-Diskussion zu sprechen, sprang Enno Piening Bezirksvorsitzender und
Vizepräsident des BJV, in die Bresche und in bezog loser Folge sehr pointiert Stellung zu
Fragen, die den Jägern z.Z. auf den Nägeln brennen. Zur allgemeinen Jagdpolitik meinte er,
dass in allen Bundesländern mit Regierungsbeteiligung der Grünen verhängnisvolle
Entwicklungen ablaufen; man setze sich, ideologisch motiviert, teilweise über anerkannte
wissenschaftliche Erkenntnisse hinweg und Jagd werde oft bestimmt von Leuten, die von der
Sache wenig bis keine Ahnung haben. In Bayern sei die Jagdpolitische Welt zwar noch
einigermaßen in Ordnung, aber es herrscht auch hier ein stetiger Kampf mit dem Ergebnis,
so dass oftmals nur der kleinste gemeinsame Nenner gefunden werden kann.
Die Diskussion um den Nationalpark sah er, wie folgt: Keiner weiß genau, was die
Staatsregierung möchte – es gibt nur eine scheinbare Information der Betroffenen. Die
Verbändeanhörung war eine Veranstaltung ohne belastbare Fakten. Es stellt sich für den
BJV die Frage, ob wir überhaupt einen weiteren Nationalpark brauchen, und ob die ganze
Diskussion diesbezüglich nur dazu dient, von anderen Problemen im Bereich des
Naturschutzes abzulenken (weitere Startbahn im Erdinger Moos, Seilbahntrasse am
Riedberger Horn).
Im Weiteren sei vollkommen unklar, welche Einschränkungen sich für die Jagd ergeben
würden. Herr Piening führte aus, dass es Saufänge und das wahllose Töten von Rotwild im
sogenannten Wintergatter mit Zustimmung des BJV nicht geben wird. Auf jeden Fall muss
die Region über einen Nationalpark entscheiden!
Forstwirtschaft, so Piening wird zunehmend unter rein betriebswirtschaftlichen
Gesichtspunkten betrieben. Wild, namentlich Reh- und Rotwild, bilden dabei einen
betriebswirtschaftlichen Störfaktor, der offensichtlich aus Sicht der Forstwirtschaft minimiert
werden muss. Auch insoweit werden wildbiologische Erkenntnisse ignoriert. Darüber hinaus
stellt sich in einzelnen Bereichen durchaus die Frage, ob aktuell Forstwirtschaft noch
nachhaltig betrieben wird. Auf letzteres hat die Jägerschaft zwar keine direkte
Einflussmöglichkeit, das Thema sollte jedoch immer wieder öffentlich problematisiert werden.
An die Jäger appellierte Piening insoweit jedoch auch, ihr eigenes Handeln kritisch zu sehen
und zu versuchen ihre Jagdmethoden entsprechend der wildbiologischen Erkenntnis zu
verbessern.
Die moderne Intensivlandwirtschaft entzieht dem Niederwild in den meisten Gebieten
weiterhin und zunehmend die Lebensgrundlage. Gute Niederwildreviere sind nur noch bei
intensivsten Hegebemühungen zu erhalten: Lebensraumverbesserung, Prädatorenbejagung
sind dringend erforderlich, gejagt werden sollte auf Niederwild nur, wenn die Besätze nach
einer entsprechenden Zählung ausreichend erscheinen und eine Bejagung verantwortlich
zulassen.
Unerklärlich erscheint Piening die aktuelle „Verklärung von Prädatoren", vor allem von Luchs
und Wolf, durch Natur und Tierschutzverbände. Namentlich für den Wolf gibt es in
Deutschland aber nur wenig geeignete Lebensräume; die Politik hat immerhin schon dazu
gelernt und stellt gegebenenfalls Wolfsregulationen in Aussicht.
Zum Thema Biber verwies Piening darauf, dass sich dieser immer weiter ausgebreitet hat
und in vielen Gebieten bereits Besätze erreicht sind, die zu immensen Schäden führen, so
dass die vorgesehenen Mittel zum Schadensausgleich nicht mehr ausreichen.
Unverständlich ist für ihn insoweit, dass man dem Rotwild eine Ausbreitung nicht zubilligt, es
förmlich in Rotwild-gebieten kaserniert, obwohl weitere geeignete Lebensräume durchaus
vorhanden sind. Erfreulich ist aus seiner Sicht, dass die Schwarzwildproblematik nicht mehr
alleine den Jägern angelastet wird.
Piening kritisierte scharf die ständigen Forderungen seitens der Politik bezogen auf eine
weitere Verschärfung des Waffenrechtes. Nach seiner Meinung kann es nicht angehen, dass
ernsthaft die zentrale Lagerung von Jagdwaffen, wie ehedem in der DDR eingefordert wird
und Jäger sich ihre Waffen nur noch bei Bedarf ausleihen könnten. Ebenso zeigte er kein
Verständnis dafür, dass der Jägerschaft die Verwendung von konzentriertem Wasserstoff
Peroxid als Bleichmittel untersagt wird, da dieses zur Bombenherstellung verwendet werden
könnte und Jäger insoweit zunächst als unzuverlässig gelten würden. Frisöre, Berufsjäger
und Förster hingegen dürften weiterhin konzentrierten Wasserstoff Peroxid verwenden, da
diese offensichtlich nicht unzuverlässig seien.
Bedauernd wurde aus dem Plenum festgestellt, dass im Fernsehen, was die Jagd angeht, oft
tendenziös negative Beiträge gesendet werden und auch die Presse nicht selten einseitig
gegen Jagd und Jäger berichtet. Einen möglichen Vorwurf mangelnder Öffentlichkeitsarbeit
des BJV wollte Piening hier nicht gelten lassen: Öffentlichkeitsarbeit sei extrem teuer und die
großen Naturschutzverbände sind finanziell weit besser aufgestellt als der BJV.
Abschließend kam es zu einer kurzen Aussprache über sinnvolle Rehwildhege und Bejagung
zwecks Erreichung einer besseren Altersstruktur, namentlich bei den Rehböcken. Piening
regte insoweit eine bessere Kooperation innerhalb der Rehwildhegegemeinschaften an und
empfahl auch engen Kontakt und Kooperation mit den Landwirten und Grundeigentümern zu
suchen und zu pflegen.
Den letzten Tagesordnungspunkt bildeten die Berichte der Obleute, bevor der Schriftführer
sich bei den Teilnehmern an der Nachsuchenvereinbarung, immerhin rund 85% der Reviere
im Bereich der Kreisgruppe Hammelburg, bedankte, auf die geplante Weinbergwanderung
am 01. Juli hinwies und Daniel Lohfink den offiziellen Teil der Jahreshauptversammlung
 
 
 
Die Jubilare mit 25- und 40-jähriger Mitgliedschaft:
v.l. Enno Piening, Leander Zwerenz-Weis, Manfred Körber, Wolfgang Kuhlmann, Herbert Keller und Albrecht Schmitt
 
 
Die Jubilare mit 50, 60 und 65 Jahren Zugehörigkeit zur BJV-Kreisgruppe Hammelburg sowie der neue Ehrenvorsitzende Georg Stürzenberger.
v.l.: Enno Piening, Vizepräsident des BJV, Georg Stürzenberger, Werner Heinlein, Markus Nöth und Daniel Lohfink, der 1. Vorsitzende der Kreisgruppe; in der Hinteren Reihe: Heribert Sell, Werner Heinlein und Dieter Hesselbach.